Von französischer Pünktlichkeit, polnischem Humor und deutscher Geschichte

Jugendliche, die freiwillig um sechs Uhr morgens aufstehen, um Gäste aus Polen und Frankreich zu verabschieden, die sie vor einer Woche noch gar nicht kannten? Ja, das gibt es tatsächlich! Diese simple Geste am Ende von zehn gemeinsamen Tagen macht ein wenig deutlich, wie das Erasmus-Projekt, das gerade an unserer Schule stattfindet, Menschen aus Frankreich, Polen und Deutschland zusammenbringt.

Seit Beginn des Schuljahres beschäftigen sich zehn FPGZ-Schüler*innen in einem Seminarkurs intensiv mit der Geschichte ihres eigenen Landes im Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg. Bevor wir in die Schuhe von französischen und polnischen Soldaten während der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 schlüpfen, galt es, die eigene Geschichte kritisch zu recherchieren und den Gästen zu präsentieren.
Ende Februar/Anfang März konnten wir jeweils zehn Jugendliche von unseren Projektpartnerschulen in Caen/Frankreich und Minsk Mazowiecki/Polen willkommen heißen und ihnen sowohl ausgewählte Orte in Stuttgart als auch in Berlin zeigen. Die deutschen Schülerinnen und Schüler waren als Gastgeber dafür verantwortlich, die Gäste unterzubringen und ihnen einen alltäglichen Einblick in die deutsche Kultur zu geben. Außerdem waren sie als Experten für die einzelnen historischen Stätten gefragt und konnten zeigen, was sie im vergangenen halben Jahr erarbeitet hatten. Dazu zählten z.B. eine selbst konzipierte und -gebaute Ausstellung, eine Wanderung durch Stuttgart sowie zahlreiche Museumsbesuche (Hotel Silber, Topographie des Terrors, Bendlerblock).
Neben dem historischen Fokus sollte aber auch der kulturelle und persönliche Austausch nicht zu kurz kommen. Die Schülerin Stavrula Farmaki aus der Klasse 10d berichtet von ihren Erfahrungen:

Wir, die Schüler aus Deutschland, waren als erstes
Gastgeber. Die erste Begegnung mit den anderen französischen und
polnischen Schülern war zunächst sehr holprig und auch die
Kommunikation fiel uns nicht sehr leicht. Jeden Morgen um Punkt 9:00 Uhr –
manchmal auch ein halbes Stündchen später – trafen wir uns im
Aufenthaltsraum, um gemeinsam Sprach – und Kennenlernspiele zu spielen.
Dabei erweiterten wir nicht nur unser Vokabular in Polnisch und Französisch,
sondern waren auch gezwungen, irgendwie miteinander zu kommunizieren,
sei es mit Händen oder Google Übersetzer; letztendlich haben wir
uns irgendwie verstanden.

Wir hielten außerdem als Gastgeber unterschiedliche Präsentationen, z.B.
zur Stauffenberg Gedenkstätte, aber wir präsentierten unseren Gästen auch
unsere Ausstellung zum Thema „Was denkt ihr, wer wir sind?“. Immerzu
stellten die Gastschüler sehr spannende Fragen, zeigten Interesse und
hinterfragten auch einiges. In Berlin aber auch in Stuttgart machten wir
auch Stadt Rallys, bei welchen wir historische Aufgaben – z.B.
Stolpersteine finden und fotografieren – aber auch lustige Aufgaben –
wie z.B. ein Dancing Video oder Diplomatenfoto vor dem Rathaus machen
mussten. Die Rallys waren sehr herausfordernd aber schweißten uns auch
zusammen, da wir vor allem in Berlin, einer uns allen fremde Stadt,
zusammen Karten lesen und das Berliner Bahnnetz studieren mussten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir alle Neues dazu gelernt
haben, neue Erfahrungen gesammelt haben – z.B. als wir einen jüdischen
Gottesdienst und Gedenkveranstaltung besuchten – aber wir sind uns auch
nach anfänglichen Schwierigkeiten nah gekommen und hatten viel Spaß.

Gemeinsam haben die Schüler*innen also gelernt, zusammenzuarbeiten, sich kulturellen und sprachlichen Herausforderungen zu stellen und nebenbei Freundschaften zu schließen. Nach einem traurigen Abschied in den frühen Morgenstunden machten sich alle Gruppen nach zehn gemeinsamen Tagen auf den Heimweg von Berlin, freuen sich aber schon auf ein baldiges Wiedersehen. Bis dahin sei der modernen Kommunikation und ihren vielen Apps gedankt, die Kontakt über Landesgrenzen hinweg ermöglicht.
Der Besuch in Deutschland, der neben Erasmus auch großzügig vom Deutsch-Französischen und Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DFJW und DPJW) unterstützt wurde, war der Auftakt für ein Jahr voller Begegnungen. Im Juni 2019 werden Deutsche und Polen in die Normandie reisen, um an den offiziellen Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag des D-Day teilzunehmen und sich von den französischen Partnern die Geschichte des Landes vorstellen zu lassen. Der letzte Besuch findet dann im Oktober 2019 nach Polen statt, wo im September 1939 der 2. Weltkrieg begann.
Begleitet wird das Erasmus Projekt von einem französischen Regisseur, der das gesammelte Material und Interviews zu einem Dokumentarfilm verarbeitet, der im Juni 2020 in den Schulen sowie in den Medien zu sehen sein wird.

zu finden auf: www.ferdinand-porsche-gymnasium.de

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