Elternbrief

Liebe Eltern, 

in den letzten Tagen erreichten mich teilweise umfassende Mails, in denen aufgezählt wurde, was alles nicht gut läuft und mir wurde von teilweisem Unmut und von Sorgen in den Diskussionen der Elternschaft berichtet. Ich möchte mich an der Stelle auf alle Fälle dafür bedanken, dass zumindest alles, was mich erreicht, freundlich und konstruktiv ist. Auf diesem Wege möchte ich jedoch einigen Missverständnissen und Fehldeutungen entgegentreten: 

Vorwurf 1: An anderen Schulen findet häufiger Unterricht statt.
Ich habe Einblick in viele Schulen und führe Gespräche mit anderen Schulleiter*innen. Fakt ist, dass wir nur so viel Unterricht anbieten können, wie es die räumliche Situation zulässt. Wir haben 35 Räume zur Verfügung. Die Kursstufe 1 wird nach altem Stundenplan vollständig simultan unterrichtet, das heißt, wir mussten die Kurse in der Regel teilen. Die Klassen mussten aufgrund der Abstandsregel ebenfalls geteilt werden und unser Ziel war, möglichst alle Fächer zu unterrichten Es gibt Schulen, insbesondere im Grundschulbereich, die dies anders organisieren konnten, oder aber Schulen außerhalb Stuttgarts, die in großen Neubauten größere Kapazitäten zur Verfügung haben. Beachten Sie auch, dass unser Bio-/Physik-Bau gerade generalsaniert wird. Seien Sie versichert, dass wir rein mathematisch das Optimum herausgeholt haben. Unsere Planerin, Frau Faßmann, hat daran sehr lange gearbeitet. 

Vorwurf 2: An anderen Schulen wird kreativ mit moodle oder der Cam umgegangen.
Wenn wir genau hinschauen, sind solche Beobachtungen immer punktuell. Auch hier kann ich Ihnen versichern, dass meine Kolleg*innen Schulleiter dieselben Einschätzungen bekommen, dass an anderen Schulen alles viel besser sei. Fest steht: Wir haben mit moodle und lifesize die beiden Kommunikationsinstrumente, die jetzt für das Kollegium bindend sein sollen. Ich bekomme immer wieder Vorschläge von Eltern, dass es bessere Systeme gibt und ich den Datenschutz mal nicht so ernst nehmen soll. Das werde ich nicht tun. Ich bin rechtlich verpflichtet, datenschutzrechtlich sichere Systeme anzubieten. 

Vorwurf 3: Die Lehrerinnen und Lehrer kümmern sich nicht um unsere Kinder.
Ich kann aus vielen Gesprächen und auch Beispielen aus der Praxis entnehmen, dass dies in der Mehrheit einfach nicht zutrifft. Es gibt Klassen, in denen es Konstellationen gibt, die unglücklich sind, weil es dort Mehrfachbelastungen der Kolleg*innen gibt. Sie sollten sich Eines bewusst machen: Es gibt z.B. Lehrer*innen, die nur Nebenfächer haben und 12 Klassen betreuen. Es ist arbeitsorganisatorisch gar nicht möglich, die Wochenaufgaben von 360 Schüler*innen zu korrigieren. Zudem findet gerade das Abitur statt, es gab hierbei 10 Nachschreiber. Die Arbeiten müssen erst- und zweitkorrigiert werden und gleichzeitig findet Präsenzunterricht statt. Das heißt, wenn ich die Beispiele, die Sie mir schreiben, unter die Lupe nehme, erklärt sich in vielen Fällen, warum die Kolleg*innen in einzelnen Klassen eben nicht reagieren (können). 

Vorwurf 4: Unsere Kinder bekommen im Zeugnis schlechtere Noten
Das Kultusministerium hat ja früh Klarheit geschaffen, dass jede*r Schüler*in versetzt wird. Teilweise sind die Kinder unzufrieden, weil sie im 2. Halbjahr noch ihre Note verbessern wollten bzw. weil sie im 1. Halbjahr noch auf einer x,5 standen. Ich denke, dass wir in den Notenkonferenzen pädagogische Spielräume nutzen werden. Auch prüfen wir, ob es rechtlich möglich ist, in Fächern, wie Bildender Kunst die Noten auszusetzen, da Arbeitsproben fehlen. Es werden auf alle Fälle in Klasse 5 – 10 keine Klassenarbeiten mehr geschrieben und die Frage von möglichen GFS erfolgt individuell.
Auf alle Fälle glaube ich nicht, dass die Noten ein Problem werden sollten, schon gar nicht, wenn wir pädagogisch in langen Zeiträumen denken. Wir werden in diesen Zeiten keine „gerechten Noten“ vergeben, was immer der Einzelne darunter versteht. 

Grundsätzlich möchte ich Sie um (mehr) Gelassenheit bitten.
Meine langjährige Erfahrung mit Schulbiografien zeigt, dass Schule zwar prägend ist, aber dass die einzelnen Biografien sich im Laufe des Lebens verändern. Das kann jeder an sich selbst beobachten. Oder erinnern Sie sich noch an die Bedeutung der 4 in Chemie in Klasse 8? Ich habe heute eigens wieder eine 9. Klasse live unterrichtet und freue mich, dass die Kinder doch eigentlich guten Mutes sind. Was Sie im Moment hautnah erleben, ist Alltagsrealität. Auch im normalen Schulbetrieb läuft nicht immer alles rund, es gibt gute Tage und es gibt schlechtere Tage und mit dem Abitur sind wird doch in der Regel alle ganz zufrieden, weil die Lehrer*innen, die Schüler*innen und die Eltern stolz darauf sind, dass wir nach 12 Jahren gemeinsam ein Ziel erreicht haben. Das wird auch nach Corona nicht anders sein. Ich bin da optimistisch.
Wir können immer besser werden, aber wir sollten auch nicht in die Optimierungsfalle geraten. Corona sollte uns auch lehren, dass Menschen nicht immer perfekt sein müssen. Und wie die Situation in Zahlen aussieht, das zeigt uns die Umfrage, die ich in moodle initiiert habe. Ich sage mal: 2 – 3! Eine 2 wäre mir lieber, aber das kann noch werden. Wir bemühen uns. 

Viele Grüße,
Ihr Schulleiter 

Ulrich Göser 

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